Geschichte des Schwerts
von karlö ulriksson

 Die ersten Schwerter

Das Schwert durchzieht seit über 4000 Jahren die menschliche Geschichte. Es war die erste Waffe, die ausschließlich zum Töten von Menschen entwickelt wurde. Die ersten bekannten Schwerter waren Bronzeschwerter aus Mykene und Kreta. Bronze ist eine Legierung aus Kupfer und Zinn. Die Griffzungenschwerter der Nord- und Seevölker verbreiteten sich um 1200 v .Chr. von der kimbrischen Halbinsel (heutiges Schleswig-Holstein und Jütland) bis nach Ägypten. Gleichzeitig fanden die ersten Schwerter mit dem Grundwerkstoff Eisen neben den Bronzeschwertern Verwendung. Der Kohlenstoff, der bei der Verhüttung aus der zum Erhitzen verwendeten Holzkohle in das Eisen diffundiert, lässt schon früh brauchbare Stahlschwerter vermuten. Etwa um 800 v. Chr. brachten die Kelten in der Hallstattzeit die Kunst des Stahlschmiedens in unseren mitteleuropäischen Raum und bereiteten damit die waffentechnische Grundlage für die römische Schwertmacht vor.

Schon um 300 n. Chr. gab es mit dem sogenannten keltischen Knollenknaufschwert Klingen, deren Form mit den Degen der Renaissance im 17. Jahrhundert vergleichbar waren.

 

Wurmbunte Klingen

Die höchste Ehrerbietung bekam das Schwert in unserem Raum während der Merowingerzeit im 5. bis 7. Jh. n. Chr.

Die sogenannten wurmbunten Klingen waren Meisterwerke der Damaszener-Schmiedekunst. Auf diese Zeit geht die berühmte Wielandsage oder der Bericht von Theoderich dem Großen zurück, dem die Flexibilität der Klinge viel wichtiger war als der reich verzierte, goldene Griff. Die germanischen Langschwerter, Spatha genannt, waren im 6. und 7. Jh. in Mitteleuropa weit verbreitet und meistens im Bereich der Hohlkehle damasziert. In der Wikingerzeit wurden die meisten Schwertklingen, darunter von berühmten Meistern wie "Ulfberth" und "Ingelri", aus dem Kölner Raum in alle Welt exportiert.

 

Raffinierstahl

Die in der Herstellung sehr aufwendigen Damaszenermuster verschwanden ab dem Hochmittelalter, der Zeit der Kreuzzüge und des Minnesangs, und ein hochwertiger, viellagiger Schweißstahl kam in Mode. Ohne eine metallurgische Untersuchung sieht man diesen Klingen ihre hohe Quallität oft nicht an.

 

Stich- u. Hiebschwerter

Im Hochmittelalter, dem 11. bis 13. Jahrhundert gab es außer dem Kettenpanzer kaum Rüstungen und deshalb lag das Schwergewicht des Schwertes im schneidenden Hieb. Mit dem Aufkommen von Plattenharnischen im 14. und 15. Jahrhundert wandelten sich die Schwerter immer mehr von Hieb- und Stichwaffen zu Stich- und Hiebschwertern, was an einer schlankeren, jedoch oftmals stärkeren Spitze und einem zum Stoßen geeigneten Knauf zu erkennen ist. Manche Schwerter, sogenannte Bohrschwerter oder Panzerstecher, hatten gar keine Schneide mehr, sondern nur noch eine drei- oder vierkantige Stechklinge.

 

Talhoffer's Fechtbuch

Seit der Bronzezeit wurde das Schwert in fast allen Kulturen fast nur im Zusammenhang mit dem Schild verwendet. Ab dem späten 14. Jahrhundert entwickelte sich eine Kampftechnik des mit beiden Händen geführten Anderthalbhänders. In den Fechtbüchern von Talhoffer aus dem 15. Jahrhundert finden wir viele Hinweise für die hochentwickelte Fechtkunst des späten Mittelalters.

In den Lehrgängen „Lebendige Schwertkunst” haben Sie die einzigartige Möglichkeit, die Fechtschule dieser Zeit zu erlernen. Sind die Grundlagen des Schwertkampfes einmal bekannt, lassen sie sich auch auf Schwerter anderer Zeiten übertragen.

Auch das japanische Schwert ist ein Zweihandschwert und wird ohne Schild geführt. Daraus ergeben sich viele Parallelen zur Schwertfechtkunst des Spätmittelalters.

 

Bidenhänder

Im 15. und 16. Jahrhundert, der Zeit der Landsknechte, brachte die Renaissance, das heißt, die Wiedergeburt der Antike, den Pikenhaufen in Anlehnung an die griechische Phalanx hervor. Landsknechte schützten sich mit bis zu 6 Meter langen Spießen gegen die Reiterei. Um nun diese Pikenhaufen aufzubrechen wurden die sogenannten Bidenhänder erfunden, große Schwerter mit langen Klingen und einem langen Griff, oft mit geflammter Klinge. Doppelsöldner, ausgewählte, meist adlige Landsknechte, die dafür den doppelten Sold bekamen, kämpften mit diesen Schwertern in der vordersten Linie und bahnten den nachfolgenden, oft mit der Hellebarde bewaffneten, Fußsoldaten eine Gasse, weswegen diese Schwerter auch Gassenhauer genannt wurden. Doch bald machte das Aufkommen der Feuerwaffen diese Zweihandschwerter überflüssig und sie wurden nur noch zum Präsentieren rund um die Fahne getragen, wozu Exemplare von bis zu 2,40 Meter Länge zum Einsatz kamen.

 

Degen, Säbel, Katana

Im 17. Jahrhundert war die Zeit der Schwerter in Europa zu Ende. Degen, Florett und Säbel bildeten seine Nachfolge bis zum 1. Weltkrieg.

In Japan erreichte die Schwertschmiedekunst und die Kampftechnik ihre höchste Ausgestaltung und diese Traditionen werden noch heute gepflegt. Das japanische Schwert oder „Katana” ist nach europäischem Sprachgebrauch gar kein Schwert sondern wegen seiner einschneidigen, gekrümmten Klinge eigentlich ein Säbel.

 

Sagen- u. Filmschwerter

Die Bedeutung des Schwertes geht weit über seinen miliärischen Stellenwert hinaus. Es gab berühmte Schwerter mit eignenem Namen wie Siegfrieds „Gram” oder „Excalibur” (eigentl. „Caliburn”), das Schwert von König Artus. Diesen Schwertern wurde eine Seele zugesprochen und Magie verstärkte ihre Kampfkraft ins Übermenschliche. Auch heute noch ist das Schwert aus Fantasy und Science Fiction nicht wegzudenken.

Die bekanntesten Beispiele sind „Conan”, „Highlander” und „Star Wars”. Schwerter waren Symbole des Königtums und der Macht, richteten Verbrecher oder dienten zum Beschwören von Dämonen. .