Die Seele eines Schwertes
von karlö ulriksson

Was ein gutes Schwert von einem weniger guten oder gar schlechten unterscheidet, ist nicht das beeindruckende Aussehen, sondern die Harmonie, die Stimmigkeit aller Faktoren, die eine Waffe ausmachen, abgestimmt auf den Träger des Schwertes und den Verwendungszweck.

Diese Faktoren kann man in äußere und innere Faktoren unterscheiden, so wie auch ein schöner, erfolgreicher Mensch mit Ausstrahlung nicht deshalb schon ein guter Mensch mit einer großen Seele sein muss!

Die äußeren Werte eines Schwertes sind zum Beispiel: Formschönheit, saubere Verarbeitung, geeignete Materialien, Kampftauglichkeit, Schwerpunkt, Schwingungsknoten;
innere Faktoren wären dagegen: Gesinnung und Energiefluss.
Für viele sind diese inneren Faktoren Spinnerei, andere reagieren unbewusst darauf, sind sich dessen jedoch verstandesmäßig nicht bewusst, für einige wenige aber sind diese inneren Faktoren das wichtigste Argument bei der Beurteilung einer Klinge.

Ein Schwert kann eine gute, neutrale oder böse Gesinnung haben. Wie bei Amuletten und Talismanen wohnen dem Gegenstand Gedankenformen inne, die sich auf den späteren Träger unbewusst übertragen. Die Stimmung des Schmiedes, die Herkunft des Materials, die Symbolkraft der Form, die Absicht des Kunden, die Zeitqualität (Astrologie) bei der Herstellung, der Ort der Herstellung, welche Musik lief im Hintergrund . . . Alles dieses und noch viel mehr wird im Schwert verankert und prägt die »Seele« der Waffe. Hierbei ist noch nicht beachtet, dass durch gezielte (magische) Rituale, diese Prägung noch um ein Vielfaches in jede Richtung gesteigert werden kann. Wenn mit einem Schwert Menschen getötet wurden, womöglich noch in böser Absicht, dann kann es sein, dass das Schwert blutrünstig wird, besonders auffällig soll das bei alten Richtschwertern der Fall sein.
Nehmen Sie ein Schwert in die Hand und schließen Sie die Augen: Wie fühlt es sich an? Ruhig oder unruhig, friedlich oder aggresiv, warm oder kalt, kraftvoll oder lasch, übergewichtig oder ausgewogen, strahlend oder dunkel, wie ein Laserstrahl oder wie eine Keule?

Ein Fehler in der Formgestaltung, ein Schmiedefehler im Innern der Klinge, eine falsche Anordnung von Griffmaterialien, eine ungünstige Inschrift, alles dies kann dieses Gefühl, das ein gutes Schwert ausmacht, beeinträchtigen oder gar in sein Gegenteil verkehren. Typische Fehler, die den »Energiefluss« stören, sind kantige Übergänge von der Fehlschärfe zur Klinge, ein abrupter Auslauf der Hohlkehle, eine falsch geformte Parierstange, disharmonische Proportionen, um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen. Wer sich mit der chinesischen Tradition des Feng Shui beschäftigt, wird vieles analog auf das Schwert übertragen können.