Lebendige Schwertkunst
von karlö ulriksson
spätgotisches Schwertfechten im Stil des 15. Jahrhundert

Kampfweisen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, an die Kampfkunst mit dem Schwert heranzugehen. Die Kampfweise wurde von vielen Faktoren beeinflußt: Waffentechnik, Kultur, Mentalität, Ehrenkodex, Zweikampf oder Schlachtordnung, Taktik und vor allem vom Ausbildungsstand der Kämpfer. Wir unterscheiden zunächst die Kampfweisen mit dem Schwert zu einer oder zu zwei Händen, den Kampf mit Schwert und Schild, den Zweikampf oder den Kampf in der Schlacht. Jetzt muß noch zwischen Schaukampf, Reenactment, Kampfsport und Kampfkunst unterschieden werden. Beim Schaukampf wird eine mehr oder weniger gut einstudierte Fechtszene meist möglicht theadralisch mit Schlägen auf Schild und Klinge des Gegners vorgeführt. Die Kämpfe dauern unnatürlich lange und sind wie in den meisten Hollywood-Historienfilmen vollständig unrealistisch. Kampfsportarten sind ritualisierte Sportarten, die zwar den Wettkampf nach Regeln zum Ziel haben, aber nicht den realistischen Kampf um Leben und Tod. In den echten Kampfkünsten wird der authentische Kampf gelehrt und geübt, natürlich auf eine Art und Weise, die Verletzungen nach menschlichem Ermessen ausschließt. Hier nimmt die Form oder japanisch: Kata einen besonderen Stellenwert ein. Wir finden dies besonders im chinesischen Tai Chi oder dem japanischen Iai Do. Das einzige Ziel des Schwertkampfes ist es, den Gegner schnellstmöglich zu töten oder kampfunfähig zu machen. Das Ziel für einen Schwerthieb- oder Stich sind deshalb immer leicht verletzliche Partien des Gegeners oder Schwachstellen in der Rüstung, niemals das gegenerische Schwert oder Schild!

Vergessene Fechtkunst
In Europa wurde die Kampfkunst mit dem Schwert seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr gelehrt, als die Feuerwaffen auf dem Schlachtfeld mehr und mehr den Ausgang bestimmten. Übrig blieb nur das Wissen um das Fechten mit dem (Reiter)Säbel, Degen und Florett, woraus sich das Duell- und studentische Fechten entwickelt hat bis hin zum modernen Sportfechten.

China und Japan
Im Gegensatz dazu wurde der Kampf mit dem Schwert in China und Japan bis heute weiter praktiziert und ist Bestandteil vieler fernöstlicher Kampfkünste und Kampfsportarten. Zum Beispiel lassen sich alle Techniken im Aikido nicht bloß mit bloßen Händen ausüben, wie es normalerweise gelehrt wird, sondern auch mit dem Schwert, woher sie ja ihren Ursprung haben. Einige dieser Techniken finden wir auch in den Fechthandschriften des späten Mittelalters (Talhoffers Fechtbücher) wieder, so dass wir davon ausgehen können, dass bei uns in Europa ebenfalls ausgefeilte und äußerst wirksame Kampftechniken zur Anwendung gelangten.

Achtung vor der Waffe
Ein anderer Punkt ist die Achtung vor der Waffe, die sehr wertvoll war und häufig von Generation zu Generation weitervererbt wurde, wobei häufig die Parierstange, der Griff und Knauf neuen Moden und Kampftechniken angepasst wurden. So finden wir zum Beispiel im Züricher Landesmuseum ein Landsknechtsschwert (Katzbalger) aus dem 15. Jahrhundert, dessen Klinge noch von einer alamannischen Spatha aus dem 8. Jahrhundert stammt!

Schneide gegen Schneide?
Wären nun alle diese Klingen, wie man es in den meisten Spielfilmen und bei Schaukämpfen sieht, beim Kampf Schneide gegen Schneide geschlagen worden, hätten sie kaum so lange überlebt. Jeder Schlag, Schneide gegen Schneide mit einem scharfen Schwert, reißt tiefe Scharten in die Klingen. In der Wikingerzeit hatte ein gutes Schwert den Preis von 20 bis 30 Ochsen und wurde daher sicherlich nicht leichtfertig beschädigt. Sicher gab es Ausnahmen von dieser Regel, doch gehen wir bei der Rekonstruktion des mittelalterlichen Schwertkampfes von dieser Prämisse aus.

Talhoffers Fechtbücher
Auf der Grundlage der drei Fechtbücher von Hans Talhoffer aus den Jahren 1443 bis 1467 hat Wolfgang Abart die Schwertformen des 15. Jahrhunderts rekonstruiert.  Er bietet Lehrgänge an, in denen  zunächst der Kampf mit dem Schwert zu zwei Händen geübt wird, wie dies seit der Fechtschule Liechtenauers am Ende des 14. Jahrhunderts praktiziert wurde. Aus Sicherheitsgründen verwenden wir bei unseren Lehrgängen für Anfänger ausschließlich Holzschwerter. Für FortgeschritteneFechtvorführungen setzen wir unsere sogenannten „Fechtschwerter” ein, die zwar stumpf sind, aber nicht das hohe Gewicht von Schaukampschwertern haben, da wir harte Schläge Schneide gegen Schneide vermeiden.

„Lebendige Schwertkunst”
Im Unterschied zu dem sogenannten Schaukampf auf mittelalterlichen Veranstaltungen oder in Hollywood-Filmen hat unsere „Lebendige Schwertkunst” nicht das Ziel, den Schild des Gegners zu demolieren oder möglichst spektakuläre und langanhaltende Schlagwechsel mit dem Schwert durchzuführen, sondern mit möglichst geringer Anstrengung den Gegener kampfunfähig zu machen ohne die Schneiden der Schwerter zu beschädigen. Die „Lebendige Schwertkunst” versteht sich als klassische Kampfkunst in europäischer Tradition, als ein Weg geistiger und körperlicher Schulung. Sie ist kein Wettkampf-Sport, in dem es darum geht, einen Gegener zu besiegen, sondern eine Weise fortwährender Übung mit dem Ziel der Vervollkommnung des eigenen Weges mit Hilfe des Schwertes .
 
  
 

 Hier ein Link zur Fechtschule
www.lebendige-schwertkunst.de