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Freude der Bürger an Waffenübungen führte in den Städten schon im frühen
Mittelalter zum Zusammenschluss der Fechtlustigen. Die damals übliche Form der Gemeinschaft war die Gilde oder Innung, die vor allen Dingen danach strebte, vom Reichsoberhaupte anerkannt zu werden. Besonders lag den
Fechtlehrern oder Fechtmeistern an einem solchen kaiserlichen Privilegium. In dem von Kaiser Friedrich III. im Jahre 1487 zu Nürnberg erteilten Privilegium heißt es: „Es sey sondere Gnad getan, dass nun hinfür allenthalben in
dem heiligen Reich sich niemand ein Meister des Swerts nennen, Schul halten (d.h. ein Schaufechten veranstalten), noch um Geld lernen sol, er sey denn zuvor von den Meistern des Swertes in seiner Kunst probieret und
zugelassen”. Dieser Schutzbrief wurde von nachfolgenden Herrschern nicht nur erneuert, die Gilden erhielten sogar von Kaiser Karl V. ein adliges Wappen, das den Löwen, das Attribut des Evangelisten Markus, enthielt, da sie sich
nach ihrem Schutzpatron Markusbrüder nannten. Es war ihnen erlaubt, mit dem Schwert an der Seite und einer Feder am Hute einherzugehen.
Nach mehrjährigem Unterricht bei einem privilegierten Fechtmeister konnte sich der
Lehrling zum vorläufigen Meisterschlag melden, und wurde „angelobter Meister” und legte später in Frankfurt am Main zur Messezeit die eigentliche Meisterprüfung ab, die mit erheblichen Kosten verbunden war. Hierfür mußte der
Bewerber nach vielen anderen Förmlichkeiten eine „meisterliche Probe seiner Eisenfahrt und goldenen Kunst ablegen, das Paradeschwert schwingen und die gehörigen Tritte machen”. Am folgenden Tage war seine Aufgabe, ein
Schaufechten abzuhalten.
Da durch fechterlich geschulte Bürger die Wehrhaftigkeit der Stadt gehoben wurde, waren die Fechtbrüder gleich den schützen (Freischießen!) nicht nur von Abgaben befreit, sondern man stellte
ihnen noch einen Übungsraum zur Verfügung.
Mehrere Jahrzehnte später trat eine zweite Fechtergilde diesen Markusbrüdern zur Seite, von der wir 1574 zum ersten Male hören, gelegentlich der „Ordentlichen Beschreibung des
großen Schießens in Zwickau” durch Benedikt Edlbeck. Ihr Privilegium mit adligem Wappen stammt von Kaiser Rudolf II. aus dem Jahr 1607. Sie nannten sich nach ihrem Patron Vitus oder Veit die Vitusbrüder, welches Wort später zu
Federfechter verderbt wurde. Der Vorort dieser Gilde war Prag, wo sich ja auch der St. Veitsdom über der Stadt erhebt. Satzungen, Waffen und Fechtweise, Vorbedingungen, Ausführung und Feierlichkeit der Meisterprüfung sind bis
auf geringe Abweichungen dieselben wie bei den Markusbrüdern. Die fechtenden Mitglieder der Handwerkerzünfte traten überlieferungsgemäß entweder der einen oder der anderen Fechtgilde bei. So waren z.B. die Kürschner, die
allgemein als hervorragende und begeisterte Fechter galten, und die Tuhmacher grundsätzlich bei den Markusbrüdern zu finden, während Goldschmiede und Schuhmacher aller Orte sich bei den Federfechtern einschreiben ließen.
Die Fechtregeln wurden häufig in Reimen gegeben. Als Fechtwaffen kamen in Betracht: Langschwert, Dussack, langer Spiess, halbe Stange, der Linke-Handdolch. Der Dussack - es kommen auch Abweichungen in der Benennung und
Schreibungdieser Waffe vor - war ein breites, oftmals hölzernes Schwert ohne Heft; stattdessen war eine Öffnung nahe dem Klingenansatz wie ein Nadelöhr, jedoch so groß, daß man mit der Hand hindurchgreifen konnte. Die
Holzschnitte von Tobias Stimmer in dem von Joachim Meyer zu Straßburg herausgegebenen Fechtbuche vom Jahre 1570 geben ein anschauliches Bild von den verschiedenen Fechtwaffen jener Zeit. - Daß z.B. in Nürnberg an jedem Sonntag
des 1579 vom April bis Oktober unter großem Zulauf ein Schaufechten stattfinden konnte, zeigt, wie beliebt diese Fechtschulen beim Volke waren. Übrigens sind ernstliche Verletzungen bei diesen Kämpfen sehr selten vorgekommen.
Als im Laufe der Zeit die Fechtkunst verfiel und die strengen Zunftvorschriften nicht mehr inne gehalten wurden, machten sich auch hier störende Außenseiter bemerkbar, die vielleicht niemals einer Gilde angehört hatten
oder nur entartete Abkömmlinge dieser edlen und wohllöblichen Zunft waren. Diese Fechter wurden Lukasfechter genannt, vielleicht weil sie, ohne den Regeln der Kunst zu gehorchen, wild wie ein Stier-Attribut des Evangelisten
Lukas! - darauf losschlugen. Prahlerisch unterfingen sich diese Fechter, sich gegen jeden Gegner und jede Schul zu behaupten. Wurde der Herausforderer „blutrünstig” gemacht, so hatte er den Kampf verloren, und die Sieger
verteilten unter sich das von den Zuschauern erlöste Geld. Meldete sich kein Gegner oder ging der Lukasfechter als Sieger aus diesen Kämpfen hervor, so strich er befriedigt die Geldsumme ein. Natürlich nahmen die Umstehenden
lebhaftesten Anteil an diesem Wettstreite und begleiteten sie einzelnen Wendungen des Kampfes mit antreibenden Zurufen. Von diesen Schaustellungen her wird sich der noch heute gehörte Ruf: „Hau den Lukas!” erhalten haben.
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