Merowingische Langschwerter (Spathas) aus Bayern

Die vornehmste Waffe des merowingischen Kriegers war das zweischneidige Langschwert (Spatha). Nach den Grabstatistiken zu schließen, besaß nur etwa jeder zehnte Mann einer Gemeinschaft eine derartige Waffe. Die bis zu 1 Meter langen Schwerter mit ca. 4 bis 5,5 cm breiten, flachen Klingen mit zungenförmiger Spitze sind aus Eisen geschmiedet, häufig damasziert oder mit einem Schweißdamastmuster verziert. Die Griffteile bestanden aus organischem Material (Holz, Bein) und waren der Griffangel aufgesetzt. Abgesehen von wenigen Prunkspathen des 5. und 6. Jahrhunderts setzte eine formale und funktionale Gestaltung der Griffe in größerem Umfang erst ab dem späten 6. Jahrhundert ein. Metallknäufe und Metallfutter der Parierstangen als technische Verbesserung boten sich zur Verzierung an, wobei zugleich auch die Scheiden und Wehrgehänge mit Metallbeschlägen versehen wurden.

Das in Kösching, Lkr. Eichstätt, gefundene Schwert mit bronzevergoldetem Pyramidenknauf ist ein Importstück aus Skandinavien und gehört dem späten 6. Jahrhundert an. Die drei anderen Schwerter stammen aus der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts. Die Spatha aus Landsberg/Lech - Spötting hat einen silbertauschierten Tierkopfknauf. Die Eisenfutter der Querstücke mit bronzevergoldeten Ziernieten sind streifentauschiert. Dieses Ziermuster weisen auch die eisernen Gefäßteile des jüngeren Schwertes aus München-Englschalking auf. Aus einer alamannischen Werkstatt dürfte der Bronzeknauf mit Tierkopfenden aus Egling, Lkr. Landsberg/Lech, stammen.

7. Jahrhundert. Prähistorische Staatssammlung München.

aus dem Buch „Frühgeschichte Bayerns“ von Wilfried Menghin, Konrad Theiss-Verlag Stuttgart 1990