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DAS SCHWERT
DENKEN BEDEUTET SCHNEIDEN UND STECHEN
Die Einführung der Blanken Waffen in die Rituale der Freimauererei geht auf mehrere
Traditionen zurück: Das Rittertum mit seinen Sagen schreibt dem Schwert eine magische Kraft zu; die Bibel tut dies in der Genesis, wo von einem flammendem Schwert die Rede ist. Die Freilmaurer des 18. Jahrhunderts – als das
Tragen des Schwerts ein Privileg des Adels war – trugen es als Zeichen der Gleichheit unter Brüdern: die Würde des Menschen, so wurde demonstriert, ist die Frucht seiner Arbeit und unabhänhgig von seinem sozialen Status.
Das Schwert hat eine gerade, doppelschneidige Klinge und einen kreuzförmigen Griff. Alle
Mitglieder einer Loge besitzen ein Schwert, das sie bei den Zeremonien verwenden. Seine Klinge ähnelt einer Flamme und wird Flammendes Schwert genannt; das bezieht sich auf 1 Moses 3, 23-24: „Und er trieb den Menschen hinaus
und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg, der zum Baum des Lebens führte.” Der Meister vom Stuhl hält das Flammende Schwert während der Aufnahmezeremonie eines
Lehrlings; während der Logenarbeit liegt es auf einem Gestell. Es versinnbildlicht das Wort, das Denken und die Schöpfung.
Der Degen tritt für den Freimaurer zum ersten Mal beim 1. Grad (auch Rachegrad genannt) und beim 9. Grad des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus (Auserwählter Meister der Neun)
in Erscheinung. Die Symbolik des Degens wird durch seine Geschichte erhellt:
Der Degen, schon in der jungen Steinzeit in Gebrauch, ist eine Stoßwaffe mit
doppelschneidiger Klinge. In der Steinzeit bestand die 20 bis 40 cm lange Klinge aus Stein; sie war so perfekt geformt, dass die späteren Ausführungen aus Kupfer, Bronze oder Eisen eigentlich keine Verbesserung mehr brachten.
Später erlaubte die Schmiedekunst, die Klingen zu verlängern. Es entstand das Schwert, das nicht nur Stoß-, sondern auch Schneidewaffe war. Um die jeweilige symbolische Bedeutung dieser Waffen auszulegen, muss das Schwert vom
Degen unterschieden werden, so, wie das Schneiden und Spalten vom Stechen. Der Degen kann als Sinnbild für die Fähigkeit betrachtet werden, Geheimnisse zu lüften, Rätsel zu lösen, wörter zu deuten, damit der Sinn aus ihnen
hervorgeht. Die Waffe ist zugleich ein Werkzeug für den Geist. Polemus und Episteme halten sich gegenseitig ihr Ebenbild vor . . . und entdecken, dass sie Zwillinge sind.
Symbole der Freimaurer; Text: Daniel Béresniak, Fotographien: Laziz Hamani.
Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1999 und Verlag Christian Brandstätter, Wien 1998. Französische Originalausgabe Symboles des Francs-Maçons; Éditions Assouline, Paris 1997.
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